Bericht zur Video-Konferenz am 17.02.2022 – Verschläft Europa die technologische Zukunft?

Berichterstattung zur Videokonferenz der Europa-Union Deutschland Stadtverband Monheim am Rhein e.V.

am 17. Februar 2022 um 19.00 Uhr

 Thema: Zukunft Europas:

„Verschläft Europa die technologische Zukunft?

Status Quo und Handlungsmöglichkeiten im Bereich der Halbleiterentwicklung „

 Mit dieser vierten Videokonferenz zum Thema „Zukunft Europas schließt die Monheimer Europa-Union nach den Ausführungen ihres Vorsitzenden Manfred Klein ihre breit angelegte Vortrags- und Diskussionsreihe im Rahmen des gleichnamigen Projektes der Europa-Union NRW zu diesem Themenkomplex ab. Diese letzte Konferenz wird vom städtischen Monheimer Online-Radiosender „Rakete“ aufgenommen am 22. Februar 2022 um 18.00 Uhr ausgestrahlt.

 Frau Julia Hess, Projektmanagerin „Technologie und Geopolitik“ in der Stiftung „Neue Verantwortung“ in Berlin, stellte das Thema im Rahmen einer Videokonferenz mit fundiertem Hintergrundwissen sachverständig vor.

Zunächst ging sie auf den hohen Stellenwert der Halbleiter als Grundgerüst unserer digitalisierten Gesellschaft ein, insbesondere in den Bereichen Fahrzeuge, Unterhaltungs- und Kommunikationselektronik.

Die Herstellung dieser winzigen Bausteine konzentriere sich auf Südostasien, auf die USA und auf Europa entfallen nur jeweils 10 % der weltweiten Herstellkapazität.

Die Referentin führte aus, „Die Wertschöpfungskette umfasst Design, Produktion, Testen und Verarbeiten der winzigen Bausteine, deren Größe in Nanometern gemessen wird. Dabei seien die USA: stark in den Bereichen Design- und Fertigungselektronik während die Schwerpunkte Europas in der Leistungselektronik und in der maschinellen Ausrüstung für die Chipfertigung liegen.

Lange Lieferwege für Endprodukte sind die Folgen dieser Konstellation. Die derzeit weltweiten Engpässe der Halbleiterversorgung führen zu empfindlichen Produktionsbeschränkungen, insbesondere bemerkbar in der Automobilbranche. Als wesentliche Ursachen hierfür nannte die Referentin u.a. die COVID-19 Pandemie (mit fehlerhaften Einschätzungen seitens der KFZ-Hersteller und Nachfrageverstärkungen im Kommunikationsbereich), den Klimawandel(mit Nachfrage nach Halbleiter für neue Produkte und Naturkatastrophen, die Herstellerkapazitäten im südostasiatischen Raum beeinträchtigten) sowie geopolitische Entwicklungen. Das von der EU-Kommission jetzt vorgeschlagene Europäische Chipgesetz, mit einem Fördervolumen von insgesamt 43 Mrd. € sei grundsätzlich der richtige Weg, um die Versorgungssicherheit und die Resilienz und die technische Führungsrolle der EU in diesem Bereich langfristig zu sichern. in der  intensiven Diskussion wurde unter anderem darauf hingewiesen, dass die USA derzeit ebenfalls einem – vom Repräsentantenhaus bereits beschlossenen – Förderpakte in Höhe von 52 Mrd. US $ auf den Weg gebracht haben, mit unterschiedlichen Schwerpunkten aber mit der gleichen Zielrichtung, die Abhängigkeit von Lieferungen aus dem geopolitisch unsicheren Gebieten Südostasiens zu reduzieren. Einig waren sich die Teilnehmenden in der Forderung, dass Fördermaßnahmen Europas bedarfsgerecht ausgerichtet werden müssen. Die derzeitige Fokussierung auf „Einzigartigkeit“ der zu fördernden Halbleiterproduktion und auf modernste Strukturgrößen von unter 10 Nanometern sei zu eng gefasst und damit für Europa nicht marktgerecht.

In seinem Schlusswort stellte Manfred Klein fest, dass die Auswertung der europaweit von vielen Akteuren mit hohem Engagement eingereichten Vorschläge zur „Zukunft Europas“ mit Spannung erwartet werde.